Provinzpossen aus Hermeskeil

Provinzpossen:

klein angefangen, klein geblieben

- groß gescheitert

Unterschied zwischen Wirtschaft und Politik:

Politik kostet nie eigenes Geld.

Wolfgang Mocker 1954 - 2009, deutscher Journalist und Autor

In der Provinz übt schon, wer einmal ganz nach oben will:

 

Bürgermeister, die groß heraus kommen wollen:

das wäre doch gelacht, wenn wir nicht 5 Mio. verballern können

 

Wichtige Menschen (sogenannte Wichtigtuer) oder Menschen, die sich großartig wähnen (Größenwahnsinnige) neigen dazu, der Nachwelt teure Hinterlassenschaften aufzuzwingen. Dazu gehören Mausoleen, z.B. die Pyramiden von Ägypten, das Taj Mahal in Indien, das Qin Shihuangdi mit der Terrakottaarmee in China, das Leninmausoleum in Moskau, der Berliner Flughafen im Beitrittsgebiet oder der Nürburgring-Funpark in der Eifel.

 

In einer kleinen aber toten Stadt im abgelegenen Hunsrück schuf sich Immobilienwirt mit E.I.A. Diplom (ugs. Makler), Bürgermeister und Feuerwehrfördervereins-Präsident in Personalunion, Udo Moser, sein Mausoleum in Form eines Feuerwehrmuseums. Inzwischen wurde er nicht nur von den Wählern in die Wüste gejagt und gab seinen Feuerwehrfördervereins-Präsidentenposten mehr oder weniger freiwillig ab, auch die Endabrechnung für sein Mausoleum liegt vor, vorausgesetzt es tauchen nicht noch Rechnungen auf, die versehentlich woanders abgeheftet wurden.

 

Wie immer, wenn in herunter gewirtschafteten deutschen Landen Politiker mit Geldern zocken, die vom Bürger erwirtschaftet werden, laufen die Kosten aus dem Ruder, sei es aus Größenwahn, Verantwortungslosigkeit, Blödheit oder ganz normaler Unfähigkeit.

 

Begonnen hatte der Bau des Hermeskeiler Mausoleums 2007 mit schön gerechneten 1.600.000 EUR. Für die zusätzlich angegliederte Kneipe gab es angeblich einen Investor. Nach Austausch des Planers hatten sich die Kosten drei Jahre später auf 3.600.000 EUR mehr als verdoppelt. Weitere drei Jahre später (2013) war man bei 4.300.000 EUR. Ein Jahr später kam das dicke Ende mit der Schlussrechnung über 4.800.000 EUR.

 

Nun will es keiner gewesen sein. Der davon gejagte Bürgermeister Udo Moser sieht die Schuldigen im Rat, weil die nicht so wollten wie er. Der Rat schiebt die Schuld auf den Ex-Bürgermeister, weil der angeblich eigenmächtig gehandelt haben soll. Letztlich spielt das keine Rolle, denn der Hermeskeiler Bürger zahlt alles. Inzwischen liegt der Steuersatz für die Grundsteuer bei 480 %, für die Gewerbesteuer bei 365 %. Damit dürfte besonders die Grundsteuer in dem Provinzstädtchen nicht nur landesweit unter den Spitzenwerten liegen. Es ist schon ein besonderes Privileg in einer hoch verschuldeten Gemeinde zu wohnen – da zahlt der Hermeskeiler Bürger doch gerne für ein Feuerwehrmuseum. Man gönnt sich sonst nichts.

 

Rettung aus der Finanzmisere soll die ehemalige Kaserne bringen, in der ursprünglich 750 Asylbewerber untergebracht werden sollten. Die Hermeskeiler Finanzgenies versprechen sich davon einen Geldsegen und eine Belebung des Dorflebens. Inzwischen gibt es 1250 Flüchtlinge. Die Belebung ist eingetroffen, die Besucherzahlen des Schwimmbades erreichen Rekordzahlen. Die Auslastung des Krankenhauses steigt. Dem Feuerwehrmuseum eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Die Hermeskeiler Bürger sind glücklich über die neue Attraktivität des Dorflebens und die Bereicherung ihrer Kultur. Die Politiker kommen mit dem Zählen der neuen Einnahmen nicht mehr nach - wenn sie sich mal nicht verrechnen. Na wer sagt es denn? Alles wird gut! Hermeskeil wird zur Perle des Hunsrück, und die gesamte Verbandsgemeinde prosperiert.

 

Trotzdem prüft der Rechnungshof – das Ergebnis ist absehbar: außer Spesen nichts gewesen, und die Geldvernichter kommen ungeschoren davon.

 

Inzwischen ist auch der Bund der Steuerzahler auf diese gigantische Verschwendung gestoßen. Im "Schwarzbuch 2015" schafft es Hermeskeil mit dem Feuerwehrmuseum auf einen besonderen Platz unter den Steuerverschwendern. Auch so kann Hermeskeil es zu etwas Besonderem bringen. Im Schwarzbuch heißt es: "Hermeskeil sollte nach der Rechnungshofprüfung harte Konsequenzen ziehen und soweit wie möglich Regressansprüche gegenüber den haftenden Verantwortlichen stellen. Es kann nicht sein, dass am Ende nur die Steuerzahler für diese horrende Baukostenexplosion aufkommen müssen."

 

Da liegt das Problem. Mit der Entlastung des Bürgermeisters attestiert der Rat, dass der alles richtig gemacht hat. Eigentlich sollte damit die Verantwortung auf die Ratsmitglieder übergehen. Die sind aber für ihr Handeln nicht verantwortlich.

 

Ja wo leben wir denn? Als wenn Politiker für die Schäden haften, die sie anrichten. Verschleuderung von Steuergeldern ist in Deutschland Normalität. Politiker, die verantwortungslos handeln und Schaden anrichten, sind durch ihr Gewissen / Fraktionszwang und durch Gesetze geschützt (Immunität oder andere Schutzklauseln).

 

Über Moral muss man nicht reden, denn Politik und Moral schließen sich aus. Genau so wenig muss man über Politik und Intelligenz reden, denn es sind nicht gerade geistige Leuchten, die in die in Politik gehen, sondern eher Individuen, die es in der freien Wirtschaft zu nichts bringen würden. Und warum sollte jemand zum Dummschwätzen in die Kommunalpolitik gehen, wenn er seine Freizeit sinnvoll nutzen kann?

 

Hermeskeil, eine Stadt zum Wohlfühlen

oder

Haushaltssanierung mit Subventionen aus Windernergie